Das Schwert im Baum

Das Schwert im Baum

Zusammenfassung: „Das Schwert im Baum" in drei Sätzen

Mitten im Wald von Halden steckt ein Schwert in einem Baumstamm, und wer es herauszieht, wird angeblich König.

Zweihundert Jahre lang haben es Ritter, Riesen und ein Bär versucht, und alle sind gescheitert.

Ein zwölfjähriger Junge namens Jost zieht es heraus — und macht danach etwas, mit dem niemand gerechnet hat.

Das Schwert im Baum – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 10 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Im Wald von Halden stand eine sehr alte Eiche, und in dieser Eiche steckte ein Schwert.

Es steckte bis zum Griff im Stamm, ungefähr auf Brusthöhe, und niemand wusste, wie es dorthin gekommen war.

Auf einer Tafel daneben stand ein Satz. Er war zweihundert Jahre alt, und das Moos hatte ihn halb überwachsen:

WER MICH ZIEHT, DEM GEHÖRT DAS LAND.

Seitdem kamen Leute.

Ritter kamen, in voller Rüstung, mit Handschuhen und Anlauf. Ein Riese kam, der zwei Tage lang zog und dabei so schimpfte, dass die Vögel wegzogen. Einmal kam ein Bär, dem das Schwert aber ziemlich egal war; er wollte nur an die Bienen darüber.

Das Schwert bewegte sich nie.

Es gab im Dorf Halden eine Liste, auf der stand, wer es schon versucht hatte. Sie hing im Wirtshaus, war vier Seiten lang, und das Führen dieser Liste war das ehrenvollste Amt, das man in Halden bekommen konnte, weil es sonst keine gab.

Zuletzt war der Graf von Halden selbst dran gewesen, vor sechs Jahren, mit vier Knechten und einem Seil. Danach hatte er verboten, darüber zu reden.
Das Schwert steckt in der alten Eiche im Wald von Halden Jost war zwölf und arbeitete im Wald.

Er sammelte Reisig, band es zu Bündeln und trug es ins Dorf. Für ein Bündel bekam er zwei Kupferstücke, und er brauchte am Tag ungefähr acht Bündel, damit es reichte.

An der Eiche kam er jeden Morgen vorbei.

Er hatte das Schwert nie angefasst. Nicht aus Ehrfurcht — es war einfach nicht sein Weg. Er hatte Reisig zu sammeln, und Reisig wächst nicht in Baumstämmen.

Manchmal setzte er sich in der Mittagspause daneben und aß sein Brot, und einmal hängte er sein nasses Tuch über den Schwertgriff, weil der praktisch dafür war. Das war das Ehrfürchtigste, was er je damit gemacht hatte.

An einem Morgen im März regnete es so stark, dass er sich unter die Eiche stellte, um zu warten.

Er wartete lange.

Irgendwann wurde ihm langweilig, und er machte, was Menschen machen, denen langweilig ist und die etwas in Reichweite haben.

Er zog daran.

Das Schwert kam heraus.
Ritter, Riese und Bär versuchen sich am Schwert Jost stand da mit einem Schwert in der Hand und schaute es an.

Es war schwerer, als es aussah. Am unteren Ende, dort, wo es im Holz gesteckt hatte, war es blank, und darüber lag zweihundert Jahre alter Rost.

Sein erster Gedanke war: Das war bestimmt nicht erlaubt.

Sein zweiter Gedanke war: Und jetzt?

Er schaute sich um. Der Wald tropfte. Es war niemand da. Kein Blitz, keine Musik, kein Bote, der aus dem Gebüsch springt und ruft: Heil dem König!

Nur Regen und ein Junge mit einem rostigen Schwert.

Jost dachte an die Tafel und daran, was auf ihr stand, und wurde dabei sehr still.

DEM GEHÖRT DAS LAND.

Er kannte das Land. Er lief jeden Tag darüber. Es gehörte dem alten Hemke, dem Kloster, der Witwe Perle und dem Grafen von Halden, und der Graf war kein netter Mann.

Wenn das Schwert stimmte, gehörte es jetzt Jost.

Er versuchte, sich das vorzustellen. Er stellte sich vor, wie er dem alten Hemke sagt, dass ihm sein Hof nicht mehr gehört. Hemke war vierundsiebzig und hatte diesen Hof von seinem Vater.

Der Gedanke war so unangenehm, dass Jost ihn wieder wegschob.

Dann kam der nächste: Aber der Graf gehört auch dazu. Und dem gehört das halbe Tal, und er nimmt den Leuten im Winter das Holz weg.

Es war ein verwirrender Morgen für einen Reisigsammler.
Jost geht mit seinem Reisigbündel an der Eiche vorbei Er trug es ins Dorf.

Er versteckte es nicht, aber er hielt es auch nicht hoch. Er trug es einfach, wie man ein Werkzeug trägt, unter dem Arm, und an seiner anderen Schulter hing wie immer das Reisigbündel.

Auf dem Marktplatz sah ihn zuerst der Fassbinder.

Der Fassbinder ließ ein Fass fallen.

Dann sah ihn die Witwe Perle. Dann alle anderen.

Es entstand ein Auflauf, wie ihn Halden seit Jahren nicht gehabt hatte. Jemand rannte zum Pfarrer. Jemand rannte zum Grafen, was ein Fehler war, aber Aufregung macht schnelle Beine und langsame Köpfe.

„Er hat es gezogen!"

„Der Reisigjunge!"

„Dann ist er jetzt —"

Alle schauten Jost an.

Jost stand mitten auf dem Marktplatz, nass bis auf die Haut, mit einem Bündel Reisig und einem Schwert, und merkte, dass gleich etwas passieren würde, was sich hinterher nicht mehr ändern lässt.
Jost hält das Schwert im Regen in der Hand Der Graf von Halden kam eine Stunde später und war sehr wütend.

Er wollte wissen, wo das Schwert sei. Er wollte den Jungen sehen. Er stellte sich auf den Brunnenrand und rief, das sei Diebstahl an der Krone.

Das Dorf stand um ihn herum und sagte nichts.

Es sagte so gründlich nichts, dass es lauter war als Rufen.

Nach einer Weile stieg der Graf vom Brunnenrand und ritt weg, und danach war er in Halden nie wieder besonders wichtig.

Die Witwe Perle hat später erzählt, dass sie an diesem Nachmittag zum ersten Mal seit Jahren keine Angst vor dem Grafen gehabt habe. Nicht wegen des Schwertes. Wegen des Schweigens.

Jost sammelte weiter Reisig.

Er wurde kein König, und das Land gehörte weiter dem alten Hemke, dem Kloster und der Witwe Perle. Aber wenn im Dorf etwas zu entscheiden war, dann fragte man inzwischen auch ihn, und meistens sagte er etwas Vernünftiges.

Die Tafel im Wald steht übrigens noch.

Jemand hat mit einem Messer einen Satz darunter geritzt, ein bisschen krumm, weil Messer schlecht schreiben:

STIMMT NICHT.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann liest das noch heute jeder, der vorbeikommt.
Auf dem Marktplatz von Halden Die Moral von „Das Schwert im Baum"

Zweihundert Jahre lang glauben alle einem Satz auf einer Tafel, weil er alt ist und weil er in einem Baum steckt.

Jost zieht das Schwert heraus — und dann macht er das Schwierigere: Er glaubt dem Satz nicht.

Für Kinder ab sechs steckt darin eine Frage, die sich immer wieder lohnt: Warum eigentlich? Und der Schluss zeigt, dass man Macht auch dadurch bekommen kann, dass man sie ausschlägt — die Leute im Dorf fragen Jost hinterher freiwillig.
Jost lässt das Schwert in den Brunnen fallen Er hob das Schwert.

Alle wurden still.

Und dann sagte Jost: „Das Land gehört nicht mir."

Der Marktplatz schwieg.

„Da steht ein falscher Satz auf der Tafel", sagte Jost. „Ein Schwert kann einem kein Land geben. Ein Schwert kann gar nichts geben. Es kann nur in einem Baum stecken."

Der Pfarrer machte den Mund auf und wieder zu.

„Und was soll dann damit geschehen?", rief jemand.

Jost dachte nach. Es war die erste Entscheidung seines Lebens, bei der es auf ihn ankam, und er merkte, dass so etwas nicht wie im Lied geht, sondern langsam und mit weichen Knien.

„Wenn ich es behalte", sagte er langsam, „dann glaubt jeder weiter an den Satz. Und der nächste zieht es raus und glaubt ihn auch."

„Und wenn du es weggibst?"

„Dann gehört es dem, dem ich es gebe. Und der glaubt ihn dann."

Der Pfarrer, der lange nachdachte, bevor er redete, sagte: „Also darf es niemandem gehören."

„Ja", sagte Jost, und man sah ihm an, dass er selbst überrascht war, dass es aufging.

„Der Brunnen", sagte er.

Sie gingen zum Brunnen. Jost ließ das Schwert hinein.

Es machte ein einziges Geräusch, tief unten, und dann war es weg.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Zehn Minuten ohne Kampf. Die aufregendste Stelle ist ein wütender Graf auf einem Brunnenrand, und die endet damit, dass ein ganzes Dorf schweigt und er wegreitet.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Reisig – dünne abgebrochene Äste, die man zum Feuermachen sammelt
  • Kupferstück – eine kleine Münze – früher der Lohn für einfache Arbeit
  • Fassbinder – ein Handwerker, der Fässer baut
  • Graf – ein Adliger, dem früher viel Land gehörte
  • Ehrfurcht – großer Respekt, fast ein bisschen Angst

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum konnte zweihundert Jahre lang niemand das Schwert ziehen – und Jost schon?
  • Warum wirft Jost es in den Brunnen, statt König zu werden?
  • Warum fragen die Leute ihn später trotzdem um Rat?

Warum „Das Schwert im Baum" zum Einschlafen passt

Es kommt in dieser Geschichte kein Kampf vor und niemand wird verletzt. Der Graf ist unangenehm, aber er richtet nichts aus.

Der Schluss ist ruhig und ein bisschen trocken – ein Satz, den jemand in eine Tafel geritzt hat. Gut geeignet, um danach das Licht auszumachen.

Wenn „Das Schwert im Baum" gefallen hat

Mehr davon unter Rittergeschichten für Kinder und Mutgeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 2 von Ritter Emil & Zauberer Henry geht es auch darum, was man mit einer Sache anfängt, die einem plötzlich gehört.

Häufige Fragen zu Das Schwert im Baum

Worum geht es in „Das Schwert im Baum"?

In einer alten Eiche steckt seit zweihundert Jahren ein Schwert, und wer es zieht, soll das Land bekommen. Der zwölfjährige Reisigsammler Jost zieht es heraus – und wirft es in den Brunnen.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund zehn Minuten.

Kommt ein Kampf vor?

Nein. Es gibt keinen Kampf und keine Verletzten – der einzige Gegner reitet am Ende einfach weg.

Wird Jost König?

Nein. Und das ist genau die Pointe der Geschichte.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

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