Die Prinzessin und das undichte Dach

Die Prinzessin und das undichte Dach

Zusammenfassung: „Die Prinzessin und das undichte Dach" in drei Sätzen

Prinzessin Mira erbt mit vierzehn ein Schloss, in dem es an sechs Stellen hereinregnet.

Es gibt kein Geld, weil ihr Vater dreißig Jahre lang Feste gegeben hat statt Dächer zu decken.

Was sie daraus macht, steht in keinem Märchen und dauert elf Jahre.

Die Prinzessin und das undichte Dach – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Als Miras Vater starb, war sie vierzehn.

Sie bekam ein Schloss mit vierundvierzig Zimmern, einen Wald, drei Dörfer und die Verantwortung für ungefähr elfhundert Leute.

Sie bekam außerdem einen Ordner.

In dem Ordner standen die Schulden.

Ihr Vater war kein schlechter Mensch gewesen. Er war fröhlich, er war großzügig, und er hatte in dreißig Jahren siebzehn große Feste gegeben, von denen die Leute heute noch reden.

Dächer hatte er in dieser Zeit keine gedeckt.

Mira hat das später nie mit Vorwurf erzählt. Sie hat gesagt, ihr Vater habe die Leute wirklich gemocht und es sei ihm wichtig gewesen, dass sie einmal im Jahr etwas haben, worüber sie sich freuen.

Sie hat aber auch gesagt: Ein Fest ist an einem Tag vorbei. Ein Dach hält sechzig Jahre.
Mira rechnet drei Tage mit dem Ordner Es regnete an sechs Stellen herein.

Im Ostflügel im großen Saal, wo unter der Decke ein Eimer stand, dessen Position man seit Jahren kannte. Im Turm. Über der Küche, was am schlimmsten war, weil dort Leute arbeiten. Und an drei Stellen im Dachboden, wo es niemanden störte, weil dort nichts steht.

Ein Schieferdach zu decken kostet Geld.

Ein ganzes Schieferdach von vierundvierzig Zimmern kostet sehr viel Geld.

Mira setzte sich mit dem Ordner an einen Tisch und rechnete drei Tage.

Danach wusste sie zwei Sachen: Sie konnte das Dach nicht bezahlen, und sie konnte auch nicht warten, weil ein undichtes Dach jedes Jahr teurer wird — Wasser kommt an den Dachstuhl, Holz fault, und irgendwann repariert man nicht mehr das Dach, sondern das ganze Haus.
Der Eimer im großen Saal Es half ihr, dass sie den Ordner gelesen hatte und der Rest der Familie nicht. Man kann über Zahlen sehr lange diskutieren, solange niemand sie kennt. Sobald einer sie kennt, wird die Diskussion kürzer.

Sie machte drei Dinge.

Das erste war unangenehm: Sie sagte das Frühlingsfest ab.

Es war seit dreißig Jahren die größte Sache im Jahr, und es kostete ungefähr so viel wie ein Viertel Dach. Die Leute waren enttäuscht, und einige waren wütend, und ein Ratsherr sagte den Satz, den man in solchen Fällen sagt: Ihr Vater hätte das nie gemacht.

„Ich weiß", sagte Mira. „Deshalb regnet es rein."

Das war unhöflich, und sie hat sich später dafür entschuldigt, und der Satz ist trotzdem im Ort geblieben.

Das zweite: Sie ließ zuerst über der Küche decken.

Nicht über dem Saal, wo Gäste sitzen, sondern über der Küche, wo Leute arbeiten. Das war eine Entscheidung, die niemand von ihr erwartet hatte.

Der Koch, ein Mann von sechzig, hat dazu nichts gesagt. Er hat nur, als die Handwerker weg waren, oben nachgeschaut, ob es wirklich dicht ist, und ist dann wieder heruntergekommen.

Das dritte: Sie fing an, die Zahlen aufzuschreiben, wo jeder sie lesen konnte.
Über der Küche regnet es herein Der dritte Punkt war der, aus dem alles andere folgte.

Sie ließ an der Kirchentür ein Brett anbringen. Darauf stand jeden Monat, was hereingekommen war, was ausgegeben wurde und wie viel noch fehlt, in Zahlen, die jeder nachrechnen konnte.

Das hatte vorher nie jemand gemacht.

Im ersten Monat las es kaum jemand.

Im zweiten diskutierten drei Männer am Brett so lange, dass sie zu spät zur Arbeit kamen.

Im vierten kam der Müller und fragte, ob er statt Geld auch Bretter geben könne, er habe welche.

Im siebten kam einer, der beim Schieferdecken gelernt hatte und angeboten hatte, im Winter zu helfen, wenn er sonst nichts zu tun habe.

Im neunten Monat kam eine Frau, die fragte, warum unter „Ausgaben" ein Posten stehe, den sie nicht verstand. Es stellte sich heraus, dass sich jemand verrechnet hatte, und zwar um einen erheblichen Betrag.

Danach nahm das Brett niemand mehr auf die leichte Schulter.

Es wurde nicht plötzlich alles gut. Es wurde langsam etwas besser.
Das Brett an der Kirchentür Es gibt einen Nachsatz, den man kennen sollte.

Mira ist nicht als große Herrscherin in Erinnerung geblieben. Sie hat keinen Krieg gewonnen, keine Stadt gegründet und nichts erfunden.

In den drei Dörfern erzählt man sich zweihundert Jahre später nur zwei Sachen über sie: dass sie das Dach über der Küche zuerst hat machen lassen, und dass an der Kirchentür ein Brett hing, auf dem stand, wo das Geld hingeht.

Das ist wenig für ein ganzes Leben.

Es ist mehr, als von den siebzehn Festen übrig geblieben ist.
Im Winter wird gedeckt Die Moral von „Die Prinzessin und das undichte Dach"

Das ist eine Prinzessinnengeschichte, in der es um Instandhaltung geht — also um genau das, was in Märchen nie vorkommt.

Mira macht drei Sachen, und alle drei sind unbequem: Sie sagt ein beliebtes Fest ab, sie repariert dort zuerst, wo keine Gäste sitzen, und sie schreibt die Zahlen an eine Tür, wo jeder sie lesen kann.

Für Kinder ab sechs ist das eine ungewohnte Art von Heldin — eine, die elf Jahre für ein Dach braucht.

Und der Eimer mit den Blumen am Ende ist der beste Teil: Man muss nicht verstecken, wo es mal hereingeregnet hat.
Der Eimer mit Blumen beim ersten Fest Der Ostflügel dauerte am längsten.

Er kam als Letztes dran, weil dort niemand wohnte, und der Eimer im großen Saal stand insgesamt noch sechs Jahre.

Er ist inzwischen eine Art Wahrzeichen. Wenn Besuch kam, hat Mira ihn nicht weggeräumt.

Sie hat gesagt, das habe zwei Gründe: Erstens sei es albern, etwas zu verstecken, das jeder sieht. Zweitens erinnere er sie daran, warum kein Fest stattfindet.

Zweimal in diesen elf Jahren ging es rückwärts. Einmal, weil ein Sturm im Februar an einer frisch gedeckten Stelle Schiefer abriss. Und einmal, weil ein Winter so lang war, dass drei Monate lang nicht gearbeitet werden konnte und die Handwerker anderswo anfingen.

Beide Male stand das auf dem Brett an der Kirchentür.

Nach elf Jahren war das Dach fertig.

Sie war fünfundzwanzig, und es gab ein Fest — das erste seit ihrem Vater —, und es war deutlich kleiner als seine.

Bei diesem Fest stand der Eimer mitten im Saal, leer, mit Blumen darin, und alle wussten, warum.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht er noch heute da.
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Acht Minuten ohne Gefahr und ohne Bösewicht. Der einzige Konflikt ist ein abgesagtes Fest, und der Schluss ist ein Eimer voller Blumen.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Schiefer – flache dunkle Steinplatten, mit denen man Dächer deckt
  • Dachstuhl – das Holzgerüst, das ein Dach trägt
  • Ratsherr – ein Mitglied des Rats, der eine Stadt mitverwaltet
  • Instandhaltung – Dinge in Ordnung halten, bevor sie kaputtgehen
  • Ordner – die Mappe, in der Rechnungen und Papiere gesammelt werden

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum kann Mira nicht einfach warten, bis Geld da ist?
  • Warum lässt sie zuerst über der Küche decken?
  • Was ändert sich, als die Zahlen an der Kirchentür hängen?

Warum „Die Prinzessin und das undichte Dach" zum Einschlafen passt

Das ist eine Prinzessinnengeschichte ohne Ballkleid und ohne Prinzen. Für Kinder, die schon fragen, wie Dinge eigentlich funktionieren, ist sie oft interessanter als die üblichen.

Sie eignet sich auch als Gesprächsanlass darüber, warum man Sachen repariert, bevor sie ganz kaputt sind — ein Thema, das zu Hause regelmäßig vorkommt.

Wenn „Die Prinzessin und das undichte Dach" gefallen hat

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Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Die Prinzessin und das undichte Dach

Worum geht es in „Die Prinzessin und das undichte Dach"?

Mira erbt mit vierzehn ein Schloss, in dem es an sechs Stellen hereinregnet, und keinen Cent. Sie sagt das große Fest ab, repariert zuerst über der Küche und hängt die Zahlen an die Kirchentür.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund acht Minuten.

Kommt ein Prinz vor?

Nein. Es kommt auch kein Drache und kein Fluch vor – nur ein Dach.

Ist die Geschichte spannend?

Nicht im üblichen Sinn. Sie erzählt elf Jahre in acht Minuten und lebt von den Entscheidungen, nicht von der Gefahr.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Das PDF ja, kostenlos und ohne Anmeldung. Die Hörfassung entsteht gerade – bei den älteren Geschichten steht der Abspieler schon unter dem Text.

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