Die Prinzessin und das undichte Dach

Die Prinzessin und das undichte Dach

Zusammenfassung: „Die Prinzessin und das undichte Dach" in drei Sätzen

Prinzessin Mira erbt mit vierzehn ein Schloss, in dem es an sechs Stellen hereinregnet.

Es gibt kein Geld, weil ihr Vater dreißig Jahre lang Feste gegeben hat statt Dächer zu decken.

Was sie daraus macht, steht in keinem Märchen und dauert elf Jahre.

Die Prinzessin und das undichte Dach – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 7 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Als Miras Vater starb, war sie vierzehn.

Sie bekam ein Schloss mit vierundvierzig Zimmern, einen Wald, drei Dörfer und die Verantwortung für ungefähr elfhundert Leute.

Sie bekam außerdem einen Ordner.

In dem Ordner standen die Schulden.

Ihr Vater war kein schlechter Mensch gewesen. Er war fröhlich, er war großzügig, und er hatte in dreißig Jahren siebzehn große Feste gegeben, von denen die Leute heute noch reden.

Dächer hatte er in dieser Zeit keine gedeckt.

Mira hat das später nie mit Vorwurf erzählt. Sie hat gesagt, ihr Vater habe die Leute wirklich gemocht und es sei ihm wichtig gewesen, dass sie einmal im Jahr etwas haben, worüber sie sich freuen.

Sie hat aber auch gesagt: Ein Fest ist an einem Tag vorbei. Ein Dach hält sechzig Jahre.
Mira rechnet drei Tage mit dem Ordner Es regnete an sechs Stellen herein.

Im Ostflügel im großen Saal, wo unter der Decke ein Eimer stand, dessen Position man seit Jahren kannte. Im Turm. Über der Küche, was am schlimmsten war, weil dort Leute arbeiten. Und an drei Stellen im Dachboden, wo es niemanden störte, weil dort nichts steht.

Ein Schieferdach zu decken kostet Geld.

Ein ganzes Schieferdach von vierundvierzig Zimmern kostet sehr viel Geld.

Mira setzte sich mit dem Ordner an einen Tisch und rechnete drei Tage.

Danach wusste sie zwei Sachen: Sie konnte das Dach nicht bezahlen, und sie konnte auch nicht warten, weil ein undichtes Dach jedes Jahr teurer wird — Wasser kommt an den Dachstuhl, Holz fault, und irgendwann repariert man nicht mehr das Dach, sondern das ganze Haus.
Der Eimer im großen Saal Es half ihr, dass sie den Ordner gelesen hatte und der Rest der Familie nicht. Man kann über Zahlen sehr lange diskutieren, solange niemand sie kennt. Sobald einer sie kennt, wird die Diskussion kürzer.

Sie machte drei Dinge.

Das erste war unangenehm: Sie sagte das Frühlingsfest ab.

Es war seit dreißig Jahren die größte Sache im Jahr, und es kostete ungefähr so viel wie ein Viertel Dach. Die Leute waren enttäuscht, und einige waren wütend, und ein Ratsherr sagte den Satz, den man in solchen Fällen sagt: Ihr Vater hätte das nie gemacht.

„Ich weiß", sagte Mira. „Deshalb regnet es rein."

Das war unhöflich, und sie hat sich später dafür entschuldigt, und der Satz ist trotzdem im Ort geblieben.

Das zweite: Sie ließ zuerst über der Küche decken.

Nicht über dem Saal, wo Gäste sitzen, sondern über der Küche, wo Leute arbeiten. Das war eine Entscheidung, die niemand von ihr erwartet hatte.

Der Koch, ein Mann von sechzig, hat dazu nichts gesagt. Er hat nur, als die Handwerker weg waren, oben nachgeschaut, ob es wirklich dicht ist, und ist dann wieder heruntergekommen.

Das dritte: Sie fing an, die Zahlen aufzuschreiben, wo jeder sie lesen konnte.
Über der Küche regnet es herein Der dritte Punkt war der, aus dem alles andere folgte.

Sie ließ an der Kirchentür ein Brett anbringen. Darauf stand jeden Monat, was hereingekommen war, was ausgegeben wurde und wie viel noch fehlt, in Zahlen, die jeder nachrechnen konnte.

Das hatte vorher nie jemand gemacht.

Im ersten Monat las es kaum jemand.

Im zweiten diskutierten drei Männer am Brett so lange, dass sie zu spät zur Arbeit kamen.

Im vierten kam der Müller und fragte, ob er statt Geld auch Bretter geben könne, er habe welche.

Im siebten kam einer, der beim Schieferdecken gelernt hatte und angeboten hatte, im Winter zu helfen, wenn er sonst nichts zu tun habe.

Im neunten Monat kam eine Frau, die fragte, warum unter „Ausgaben" ein Posten stehe, den sie nicht verstand. Es stellte sich heraus, dass sich jemand verrechnet hatte, und zwar um einen erheblichen Betrag.

Danach nahm das Brett niemand mehr auf die leichte Schulter.

Es wurde nicht plötzlich alles gut. Es wurde langsam etwas besser.
Das Brett an der Kirchentür Es gibt einen Nachsatz, den man kennen sollte.

Mira ist nicht als große Herrscherin in Erinnerung geblieben. Sie hat keinen Krieg gewonnen, keine Stadt gegründet und nichts erfunden.

In den drei Dörfern erzählt man sich zweihundert Jahre später nur zwei Sachen über sie: dass sie das Dach über der Küche zuerst hat machen lassen, und dass an der Kirchentür ein Brett hing, auf dem stand, wo das Geld hingeht.

Das ist wenig für ein ganzes Leben.

Es ist mehr, als von den siebzehn Festen übrig geblieben ist.
Im Winter wird gedeckt Die Moral von „Die Prinzessin und das undichte Dach"

Das ist eine Prinzessinnengeschichte, in der es um Instandhaltung geht — also um genau das, was in Märchen nie vorkommt.

Mira macht drei Sachen, und alle drei sind unbequem: Sie sagt ein beliebtes Fest ab, sie repariert dort zuerst, wo keine Gäste sitzen, und sie schreibt die Zahlen an eine Tür, wo jeder sie lesen kann.

Für Kinder ab sechs ist das eine ungewohnte Art von Heldin — eine, die elf Jahre für ein Dach braucht.

Und der Eimer mit den Blumen am Ende ist der beste Teil: Man muss nicht verstecken, wo es mal hereingeregnet hat.
Der Eimer mit Blumen beim ersten Fest Der Ostflügel dauerte am längsten.

Er kam als Letztes dran, weil dort niemand wohnte, und der Eimer im großen Saal stand insgesamt noch sechs Jahre.

Er ist inzwischen eine Art Wahrzeichen. Wenn Besuch kam, hat Mira ihn nicht weggeräumt.

Sie hat gesagt, das habe zwei Gründe: Erstens sei es albern, etwas zu verstecken, das jeder sieht. Zweitens erinnere er sie daran, warum kein Fest stattfindet.

Zweimal in diesen elf Jahren ging es rückwärts. Einmal, weil ein Sturm im Februar an einer frisch gedeckten Stelle Schiefer abriss. Und einmal, weil ein Winter so lang war, dass drei Monate lang nicht gearbeitet werden konnte und die Handwerker anderswo anfingen.

Beide Male stand das auf dem Brett an der Kirchentür.

Nach elf Jahren war das Dach fertig.

Sie war fünfundzwanzig, und es gab ein Fest — das erste seit ihrem Vater —, und es war deutlich kleiner als seine.

Bei diesem Fest stand der Eimer mitten im Saal, leer, mit Blumen darin, und alle wussten, warum.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht er noch heute da.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was erbt Mira mit vierzehn — und was steckt in dem Ordner?

    Ein Schloss mit vierundvierzig Zimmern, einen Wald, drei Dörfer und die Verantwortung für ungefähr elfhundert Leute. In dem Ordner stehen die Schulden.

  2. 2Warum ist kein Geld für das Dach da?

    Ihr Vater war kein schlechter Mensch — er war fröhlich und großzügig und hat in dreißig Jahren siebzehn große Feste gegeben, von denen die Leute heute noch reden. Dächer hat er in dieser Zeit keine gedeckt. Mira sagt später: Ein Fest ist an einem Tag vorbei, ein Dach hält sechzig Jahre.

  3. 3Warum kann Mira mit der Reparatur nicht einfach warten?

    Weil ein undichtes Dach jedes Jahr teurer wird. Wasser kommt an den Dachstuhl, Holz fault, und irgendwann repariert man nicht mehr das Dach, sondern das ganze Haus.

  4. 4Welche drei unbequemen Dinge tut Mira?

    Sie sagt das Frühlingsfest ab, das so viel kostet wie ein Viertel Dach. Sie lässt zuerst über der Küche decken, wo Leute arbeiten, und nicht über dem Saal, wo Gäste sitzen. Und sie lässt an der Kirchentür ein Brett anbringen, auf dem jeden Monat steht, was hereinkam, was ausgegeben wurde und wie viel fehlt.

  5. 5Was verändert das Brett an der Kirchentür nach und nach?

    Im ersten Monat liest es kaum jemand. Im vierten fragt der Müller, ob er statt Geld Bretter geben könne. Im siebten meldet sich einer, der Schieferdecken gelernt hat und im Winter helfen will. Und im neunten entdeckt eine Frau einen Posten, den sie nicht versteht — jemand hatte sich um einen erheblichen Betrag verrechnet.

Wörter aus der Geschichte

Schieferdach
ein Dach aus dünnen dunkelgrauen Steinplatten
Dachstuhl
das Holzgerüst, das ein Dach von innen trägt
Ostflügel
der Teil eines großen Hauses, der nach Osten zeigt
Ratsherr
ein Mann, der mit anderen zusammen für eine Stadt oder ein Dorf entscheidet
Wahrzeichen
etwas, an dem man einen Ort sofort wiedererkennt

Zum Weitererzählen

  • Ein Ratsherr sagt: „Ihr Vater hätte das nie gemacht.“ Mira antwortet: „Ich weiß. Deshalb regnet es rein.“ Was hältst du von dieser Antwort?
  • Mira lässt zuerst über der Küche decken, wo gearbeitet wird. Wäre der große Saal wichtiger gewesen?
  • Am Ende steht der leere Eimer mit Blumen mitten im Saal, und Mira räumt ihn auch bei Besuch nicht weg. Warum wohl?
  • Wenn du entscheiden dürftest: ein großes Fest für einen Tag oder etwas, das sechzig Jahre hält — was würdest du nehmen?
Passend zu dieser Geschichte

Band 2 – Die schwebende Stadt

Luna kommt in Band 2 dazu – sie kennt sich in der schwebenden Stadt aus, und ohne sie kämen Emil und Henry dort nicht weit. Kein Kleiderthema, sondern jemand, der weiß, was zu tun ist.

Oder gleich alle sechs Bände: 79,00 € statt 90,00 €

Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Sieben Minuten ohne Gefahr und ohne Bösewicht. Der einzige Konflikt ist ein abgesagtes Fest, und der Schluss ist ein Eimer voller Blumen.

Warum „Die Prinzessin und das undichte Dach" zum Einschlafen passt

Das ist eine Prinzessinnengeschichte ohne Ballkleid und ohne Prinzen. Für Kinder, die schon fragen, wie Dinge eigentlich funktionieren, ist sie oft interessanter als die üblichen.

Sie eignet sich auch als Gesprächsanlass darüber, warum man Sachen repariert, bevor sie ganz kaputt sind — ein Thema, das zu Hause regelmäßig vorkommt.

Wenn „Die Prinzessin und das undichte Dach" gefallen hat

Mehr davon unter Prinzessinnengeschichten und Zehn-Minuten-Geschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Die Prinzessin und das undichte Dach

Worum geht es in „Die Prinzessin und das undichte Dach"?

Mira erbt mit vierzehn ein Schloss, in dem es an sechs Stellen hereinregnet, und keinen Cent. Sie sagt das große Fest ab, repariert zuerst über der Küche und hängt die Zahlen an die Kirchentür.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund sieben Minuten.

Kommt ein Prinz vor?

Nein. Es kommt auch kein Drache und kein Fluch vor – nur ein Dach.

Ist die Geschichte spannend?

Nicht im üblichen Sinn. Sie erzählt elf Jahre in acht Minuten und lebt von den Entscheidungen, nicht von der Gefahr.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

Morgen Abend weiterlesen? Ritter Emil und Zauberer Henry gibt es gedruckt – sechs Bände zum Vorlesen ab vier Jahren, alle sechs zusammen 79,00 € statt 90,00 €.

Noch mehr Geschichten für heute Abend

Diese Geschichte ist eine von 214 kostenlosen Gute-Nacht-Geschichten auf emhema.de – alle zum Vorlesen und als PDF zum Ausdrucken.

  • Den 23. mit Kugelschreiber eingetragen

    Der längste Dezember

    7 Minuten Vorlesezeit

    Im Jahr, in dem Mattea zwölf wird, dauert der Dezember gefühlt neun Wochen. Es liegt daran, dass ihr Vater seit August in einer anderen Stadt arbeitet und erst am 23. kommt. Die drei...

  • Drei Wochen alt und über der Heizung

    Der Kranz, der zu früh brannte

    4 Minuten Vorlesezeit

    Am vierten Advent brennen vier Kerzen auf einem Kranz, der seit drei Wochen auf der Heizung steht. Als alle kurz in der Küche sind, fängt er an zu brennen. Was dann passiert, dauert ...

  • Neunzig Minuten, immer gleich

    Der zweite Advent bei Frau Kroll

    4 Minuten Vorlesezeit

    Jedes Jahr am zweiten Advent besucht Familie Doric die Nachbarin von gegenüber, und jedes Jahr findet Elin das schrecklich. In diesem Jahr fällt der Besuch aus, weil Frau Kroll im Kr...

  • Der Dezember ist der längste Monat

    Warten ist ein Beruf

    4 Minuten Vorlesezeit

    Am 2. Dezember erklärt Jost, dass Warten das Schlimmste sei, was es gibt. Sein Onkel, der bei der Bahn arbeitet, widerspricht ihm. Er zeigt ihm etwas, das Jost danach vier Wochen lan...

  • Der Kranz steht in der Mitte

    Das Wachs auf dem Tisch

    3 Minuten Vorlesezeit

    Am dritten Advent kippt eine Kerze um, und auf dem Esstisch liegt ein Fleck aus rotem Wachs. Der Tisch gehört der Familie seit vier Generationen. Was danach passiert, ist deutlich we...

  • Sechs Sorten auf dem Tisch

    Die Plätzchen, die keiner mochte

    3 Minuten Vorlesezeit

    Jedes Jahr backt Oma Rethmeier Anisplätzchen, und jedes Jahr isst sie niemand. In diesem Jahr sagt es ihr jemand. Was dann passiert, hätte niemand vorhergesehen.