Die Straßenbahn und der Regenschirm

Die Straßenbahn und der Regenschirm

Zusammenfassung: „Die Straßenbahn und der Regenschirm" in drei Sätzen

In der Straßenbahn Linie 4 bleibt an einem Novembertag ein gelber Regenschirm mit Enten darauf liegen.

Er landet im Fundbüro, wo er zwischen dreihundert anderen Schirmen steht und niemandem auffällt.

Nach elf Tagen holt ihn jemand ab, und der Weg dorthin führt über eine Zeichnung.

Die Straßenbahn und der Regenschirm – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Der Schirm gehörte einem Mädchen namens Kim.

Er war gelb, hatte weiße Enten darauf und einen Griff aus Holz, der sich anfühlte wie ein Ast, den jemand rund geschliffen hat.

Kim hatte ihn zum Geburtstag bekommen.

An einem Dienstag im November fuhr sie mit ihrer Oma Straßenbahn, Linie 4, sieben Stationen.

Es hatte aufgehört zu regnen. Kim legte den Schirm neben sich auf den Sitz, schaute aus dem Fenster, zählte Baustellen und stieg aus.

Der Schirm blieb liegen.

Die Straßenbahn fuhr weiter, sechs Stationen, dann die Wendeschleife, dann wieder zurück. Irgendwann in dieser Runde nahm ihn jemand vom Sitz und legte ihn nach vorn, wo Fundsachen hinkommen.
Kim fährt mit dem gelben Entenschirm Straßenbahn Sie merkten es erst zu Hause.

Kim weinte ungefähr zwanzig Minuten, was für einen Schirm viel ist und für den ersten eigenen Schirm angemessen.

Ihre Oma rief bei der Straßenbahn an.

Die Frau am Telefon war freundlich und sagte, was solche Frauen sagen: dass Fundsachen ins Fundbüro kommen, dass das ein paar Tage dauert, und dass man dann vorbeikommen könne.

„Wie viele Schirme haben Sie denn da?", fragte die Oma.

Damit war klar, dass die Sache schwieriger wird, als eine Straßenbahnfahrt lang zu vergessen.

„Aktuell?" Man hörte die Frau nachdenken. „So um die dreihundert."

„Dreihundert."

„Es ist November."
Der Schirm bleibt auf dem Sitz liegen Am Samstag fuhren sie ins Fundbüro.

Es war ein Raum im Erdgeschoss, mit einer Theke und dahinter Regalen, und an der Wand hing ein Metallgestell, in dem Schirme steckten wie Blumen in einer viel zu vollen Vase.

Schwarze Schirme. Sehr viele schwarze Schirme.

Der Mann hinter der Theke hieß Herr Dopatka.

„Gelb", sagte Kim.

„Gelb ist gut", sagte Herr Dopatka. „Gelb finde ich."

Er suchte. Er suchte gründlich, ging das ganze Gestell durch, zog vier gelbe heraus.

Keiner hatte Enten.

„Der ist noch nicht hier", sagte er. „Die kommen manchmal später. Kommt drauf an, wo er hingelegt wurde."
Dreihundert Schirme im Fundbüro Kim war jetzt still, was schlimmer war als das Weinen.

Herr Dopatka schob ihr ein Blatt Papier über die Theke und einen Stift dazu.

„Mal ihn mir."

Kim malte. Sie malte einen gelben Schirm mit fünf Enten, was ungefähr zwei Enten zu wenig waren, und schrieb ihren Namen darunter, weil sie das seit dem Sommer konnte.

Herr Dopatka hängte das Blatt hinter sich an ein Brett.

„Wenn er kommt, sehe ich ihn."

Sie gingen nach Hause.
Kim malt ihren Schirm auf Die Moral von „Die Straßenbahn und der Regenschirm"

Herr Dopatka hätte sagen können: Kommen Sie nächste Woche wieder. Das wäre nicht unfreundlich gewesen und hätte gestimmt.

Stattdessen gibt er einem Kind ein Blatt Papier.

Das ändert an der Suche fast nichts — er hätte auch so nach einem gelben Schirm mit Enten geschaut. Es ändert etwas an dem Nachmittag: Kim geht nicht mit leeren Händen nach Hause, sondern mit einer Aufgabe, die erledigt ist.

Für Kinder, die schon einmal etwas verloren haben, ist das eine gute, sehr ruhige Geschichte.
Herr Dopatka hängt die Zeichnung auf Nach elf Tagen ist der Schirm wieder da Am elften Tag rief Herr Dopatka an.

Der Schirm war in einer Kiste aus dem Betriebshof aufgetaucht, zwischen zwei Handschuhen und einer Brille, und er hatte tatsächlich Enten darauf.

Sieben Stück.

Kim holte ihn am Nachmittag ab. Sie sagte danke, ziemlich leise, wie Kinder das sagen, wenn ihnen etwas sehr wichtig ist.

Die Zeichnung ließ Herr Dopatka hängen.

Sie hängt heute noch hinter der Theke, zwischen zwei Notizzetteln, ein bisschen vergilbt, und wenn jemand fragt, sagt er, das sei ein Schirm gewesen, den er gefunden habe, und mehr sagt er dann nicht.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hängt sie noch heute da.
Passend zu dieser Geschichte

Band 5 – Der Erfinder und die Drachenreiter

Für Kinder, die wissen wollen, wie Dinge funktionieren: In Band 5 gewinnt beim großen Drachenrennen nicht der Schnellste, sondern der mit der besseren Idee. Ein Erfinder mischt sich ein.

15,00 € Zum Buch

Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten ohne Gefahr. Es gibt eine traurige Stelle in der Mitte — ein Kind, das still wird — und die geht gut aus, wenn auch erst elf Tage später.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Fundbüro – die Stelle, an der abgegeben wird, was jemand verloren hat
  • Theke – der lange Tisch, hinter dem jemand arbeitet und bedient
  • Betriebshof – der Platz, auf dem die Straßenbahnen nachts stehen
  • vergilbt – gelblich geworden, weil etwas lange gelegen hat

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum ist der Schirm für Kim so wichtig?
  • Was macht Herr Dopatka, als der Schirm nicht da ist?
  • Hast du schon einmal etwas verloren? Was ist daraus geworden?

Warum „Die Straßenbahn und der Regenschirm" zum Einschlafen passt

Die Geschichte nimmt einen kleinen Verlust ernst, ohne ihn größer zu machen, als er ist. Sie eignet sich gut nach einem Tag, an dem etwas weggekommen ist.

Das Ende ist leise: eine vergilbte Zeichnung hinter einer Theke. Ein guter Punkt, um aufzuhören.

Wenn „Die Straßenbahn und der Regenschirm" gefallen hat

Mehr davon unter Fünf-Minuten-Geschichten und allen Kindergeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden zum Vorlesen.

Häufige Fragen zu Die Straßenbahn und der Regenschirm

Worum geht es in „Die Straßenbahn und der Regenschirm"?

Kim vergisst ihren gelben Regenschirm mit Enten in der Straßenbahn. Im Fundbüro stehen dreihundert Schirme, und ihrer ist nicht dabei – noch nicht.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa drei Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Geht die Geschichte gut aus?

Ja. Der Schirm taucht nach elf Tagen wieder auf.

Passt sie, wenn mein Kind gerade etwas verloren hat?

Ja. Sie nimmt den Verlust ernst und zeigt, dass Warten manchmal dazugehört.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Noch mehr Geschichten für heute Abend

Diese Geschichte ist eine von 75 kostenlosen Gute-Nacht-Geschichten auf emhema.de – alle zum Vorlesen und als PDF zum Ausdrucken.

  • Sturm liegt vor der Scheune und schaut

    Der Hofhund, der nicht bellte

    5 Minuten Vorlesezeit

    Auf dem Hof Kappeln lebt ein großer Hund namens Sturm, der in vier Jahren kein einziges Mal gebellt hat. Die Nachbarn finden ihn deshalb nutzlos, weil ein Hofhund bellen soll. Bis ei...

  • Abends gehen die Hühner von allein in den Stall

    Das Huhn, das nicht in den Stall wollte

    4 Minuten Vorlesezeit

    Jeden Abend gehen achtzehn Hühner von allein in den Stall — und eins nicht. Es heißt Berta, sitzt im Holunderbusch und muss jeden Abend geholt werden. Erst als jemand nachschaut, war...

  • Der Große Wagen am Nachthimmel

    Der Große Wagen und der Weg nach Norden

    5 Minuten Vorlesezeit

    Der Große Wagen ist das einzige Sternbild, das fast jeder findet — und man kann mit ihm den Polarstern finden. Der Polarstern steht immer genau im Norden, das ganze Jahr, jede Nacht....

  • Die Kapsel von Apollo 8 im Mondorbit

    Das Foto, das alles änderte

    8 Minuten Vorlesezeit

    An Weihnachten 1968 fliegen drei Menschen zum ersten Mal um den Mond herum und schauen dabei nach unten. Dann kommt hinter dem Mondrand die Erde hoch, und einer von ihnen ruft nach d...

  • Der Mond zeigt uns immer dasselbe Gesicht

    Die Rückseite des Mondes

    5 Minuten Vorlesezeit

    Von der Erde aus sieht man immer dieselbe Seite des Mondes — die andere hat kein Mensch gesehen, bis 1959 eine Kamera vorbeiflog. Der Grund dafür ist nicht, dass der Mond sich nicht ...

  • Decken und Thermoskanne kommen ins Auto

    Die Nacht der Sternschnuppen

    5 Minuten Vorlesezeit

    In der Nacht vom zwölften auf den dreizehnten August fährt Familie Bohn auf eine Wiese außerhalb des Dorfs, um Sternschnuppen zu schauen. Sie liegen zwei Stunden auf Decken und sehen...