Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow

Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow

Zusammenfassung: „Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow" in drei Sätzen

Im Haus Nummer 14 wohnt Frau Kummerow im Erdgeschoss, und in diesem Jahr steht bei ihr kein Baum im Fenster.

Die zehnjährige Ida beschließt, das zu ändern, und stellt dabei fest, dass ein Weihnachtsbaum überraschend viele Probleme mitbringt.

Am Ende steht in Frau Kummerows Zimmer ein Baum, der drei Zentimeter zu hoch ist, und das ist genau richtig.

Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 9 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Im Haus Nummer 14 wohnten sieben Parteien.

Ganz oben die Studenten, die nachts Musik machten. Darunter die Familie mit dem Baby. Dann Herr Yildiz, der Bus fuhr. Dann Idas Familie. Dann eine Wohnung, in der niemand wohnte, seit im Sommer jemand ausgezogen war. Und im Erdgeschoss, links, Frau Kummerow.

Frau Kummerow war einundachtzig.

Sie hatte einen Rollator, einen Kanarienvogel namens Fips und ein Fenster, das direkt auf den Gehweg ging. Wer am Haus vorbeikam, konnte in ihr Zimmer schauen, und deshalb hatte Frau Kummerow immer etwas Schönes ins Fenster gestellt.

Im Frühling Tulpen. Im Sommer eine Muschel aus Warnemünde. Im Herbst Kastanien in einer Schale.

Und im Dezember, seit Ida denken konnte, einen kleinen Weihnachtsbaum mit richtigen Kerzen.
Das leere Fensterbrett im Erdgeschoss von Haus Nummer 14 In diesem Jahr stand da nichts.

Ida merkte es am ersten Advent, auf dem Weg zum Bäcker.

Sie merkte es am zweiten wieder.

Am dritten blieb sie stehen und schaute hinein. Das Zimmer war warm beleuchtet, der Fernseher lief, Fips saß in seinem Käfig. Auf dem Fensterbrett stand ein leerer Teller.

Sie klingelte.

„Sie haben keinen Baum", sagte Ida, als Frau Kummerow aufmachte.

Frau Kummerow schaute an ihr vorbei auf die Straße, als müsste sie das erst prüfen.

„Nein", sagte sie.

„Warum nicht?"

„Der Baumverkauf ist am Markt", sagte Frau Kummerow. „Das sind vierhundert Meter."

Sie sagte es ganz sachlich, wie man eine Entfernung nennt. Vierhundert Meter hin, vierhundert zurück, mit einem Baum unter dem Arm und einem Rollator in der anderen Hand.

Es war eine dieser Rechnungen, die nicht aufgehen und über die trotzdem niemand redet.

„Und Ihre Tochter?", fragte Ida, weil sie wusste, dass es eine gab.

„Die wohnt in Kiel", sagte Frau Kummerow. „Die kommt am Sechsundzwanzigsten."

Damit war das Gespräch beendet, freundlich, aber unmissverständlich. Frau Kummerow sagte noch, Ida solle gut auf den Weg achten, es sei glatt, und machte die Tür zu.
Ida klingelt bei Frau Kummerow Ida ging nach Hause und rechnete auch.

Ein Baum kostete am Markt zwischen fünfzehn und dreißig Euro. Sie hatte elf Euro sechzig.

Sie fragte ihre Mutter, ob sie den Rest bekommen könne.

Ihre Mutter sagte etwas Vernünftiges: dass Frau Kummerow das vielleicht unangenehm sei. Dass alte Leute manchmal nichts geschenkt haben wollen. Dass man das nicht einfach so entscheiden könne.

Ida fand das alles nicht falsch und trotzdem nicht überzeugend.

Am nächsten Tag ging sie zu Herrn Yildiz.

Herr Yildiz fuhr Bus und hatte deshalb ein Auto, was Ida logisch fand, obwohl es das nicht ist. Er hörte sich die Sache an, während er seine Schuhe auszog.

„Vierhundert Meter", sagte er.

„Ja."

Er stand eine Weile da, mit einem Schuh in der Hand.

„Weißt du", sagte er, „ich fahr jeden Tag Leute durch die Stadt, die es nicht mehr zu Fuß schaffen. Vierhundert Meter sind für manche weiter als für mich vierzig Kilometer."

„Also machen Sie mit?"

„Ich hab Samstag frei", sagte er.
Auf dem Weihnachtsbaummarkt hat jeder eine Meinung Es wurden mehr.

Die Familie mit dem Baby gab acht Euro. Die Studenten von ganz oben gaben sechs Euro und boten an zu tragen, was sich später als das Wichtigste herausstellte. Idas Mutter gab am Ende doch etwas dazu und sagte dabei nichts weiter.

Am Samstag standen sie zu fünft am Markt.

Es stellte sich heraus, dass einen Weihnachtsbaum aussuchen schwieriger ist, als es aussieht, wenn fünf Leute dabei sind, die alle eine Meinung haben.

Der eine war zu breit. Der nächste hatte hinten ein Loch. Der übernächste war schön, kostete aber zweiunddreißig Euro.

Am Ende nahmen sie einen, der ein bisschen krumm gewachsen war und deshalb billiger. Er war zwei Meter drei hoch.

„Passt das?", fragte einer der Studenten.

Niemand wusste es. Niemand hatte Frau Kummerows Zimmer je ausgemessen.

„Altbau", sagte Idas Mutter. „Altbau ist hoch."

„Wie hoch?"

„Hoch."

Damit gaben sie sich zufrieden, was sich später als leichtfertig herausstellte.
Fünf Leute tragen den Baum vierhundert Meter Geschmückt wurde am selben Nachmittag.

Vorher musste allerdings noch der Ständer gefunden werden. Er stand seit dem letzten Jahr im Keller, in einem Verschlag, vor dem drei Kisten und ein kaputter Wäscheständer standen, und einer der Studenten brauchte zwanzig Minuten, um überhaupt hineinzukommen.

Er kam mit dem Ständer und einer Schachtel Christbaumkugeln zurück, die dort seit Jahren vergessen worden war.

„Die sind nicht meine", sagte Frau Kummerow.

„Jetzt schon", sagte der Student.

Frau Kummerow holte einen Karton aus dem Schrank, in dem Kugeln von 1974 lagen, dünnes Glas, ein paar davon zerbrochen. Ida bekam die heilen zum Aufhängen, weil sie die ruhigsten Hände hatte.

Am Abend stellten sie den Baum ins Fenster.

Frau Kummerow zündete die Kerzen an, richtige Kerzen, mit einem Eimer Wasser daneben, weil sie einundachtzig war und nicht dumm.

Dann setzten sich alle hin, tranken Kaffee, und Fips sang, was er sonst abends nicht tut.

Später ging Ida noch einmal hinaus auf den Gehweg und schaute von der Straße aus in das Fenster.

Es sah aus wie immer.

Nur dass der Baum sich ein bisschen bog.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht er noch heute jedes Jahr im Fenster — und geholt wird er inzwischen von wechselnden Leuten aus dem Haus, weil das seit diesem Jahr einfach dazugehört.
Der Baum ist drei Zentimeter zu hoch Die Moral von „Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow"

Das Problem ist keine große Not. Es sind vierhundert Meter.

Genau daran scheitern viele Dinge im echten Leben, und genau darüber redet niemand — Frau Kummerow nennt die Entfernung, als wäre damit alles gesagt, und für sie ist damit auch alles gesagt.

Ida ist zehn und hört es trotzdem. Sie fragt nicht lange nach dem Warum, sie fragt herum, wer Zeit hat.

Der schönste Teil kommt am Schluss: Der Baum ist krumm, drei Zentimeter zu hoch und bleibt genau so stehen. Nicht alles muss perfekt sein, damit es richtig ist.
Abends von der Straße aus Sie klingelten um zwölf.

Frau Kummerow machte auf, sah fünf Leute und einen Baum und wurde erst rot und dann ein bisschen böse.

„Das geht nicht", sagte sie. „Das nehme ich nicht an."

Es entstand eine Pause auf dem Treppenabsatz, in der die Sache hätte scheitern können.

Dann sagte Herr Yildiz: „Wir haben ihn schon bezahlt. Und ich fahr ihn nicht zurück."

Und einer der Studenten sagte: „Und wir haben ihn vierhundert Meter getragen."

Frau Kummerow schaute von einem zum anderen.

Dann trat sie zur Seite.

Der Baum passte nicht.

Er war drei Zentimeter zu hoch, was man erst merkte, als er schon stand und die Spitze sich an der Decke bog.

Sie diskutierten kurz, ob man unten etwas absägen solle. Frau Kummerow sagte: „Lasst ihn." Also blieb die Spitze gebogen und zeigte schräg ins Zimmer, was aussah, als würde der Baum sich zu den Leuten hinunterbeugen.
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Neun Minuten ohne Gefahr und ohne Bösewicht. Die einzige heikle Stelle ist ein kurzer Moment auf dem Treppenabsatz, an dem die Sache fast schiefgeht — und dann eben nicht.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Partei – im Haus: eine Wohnung mit den Leuten, die darin wohnen
  • Rollator – eine Gehhilfe auf Rädern, an der man sich festhält
  • Treppenabsatz – die ebene Fläche zwischen zwei Treppenstücken
  • Kanarienvogel – ein kleiner gelber Singvogel
  • sachlich – nüchtern und ohne Gefühl gesagt

Fragen zum Weitererzählen

  • Warum hat Frau Kummerow in diesem Jahr keinen Baum?
  • Warum will sie ihn zuerst nicht annehmen?
  • Warum sägt niemand die drei Zentimeter ab?

Warum „Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow" zum Einschlafen passt

Die Geschichte spielt in der Gegenwart und in einem ganz normalen Mietshaus. Sie eignet sich gut für Kinder, die anfangen, Dinge in der Nachbarschaft zu bemerken.

Der Schluss ist ruhig: ein beleuchtetes Fenster, von der Straße aus gesehen. Ein guter Punkt, um das Licht auszumachen.

Wenn „Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow" gefallen hat

Mehr davon unter Weihnachtsgeschichten für Kinder und Wintergeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Alle sechs Bände von Ritter Emil & Zauberer Henry passen gut unter den Baum – und danach an viele Abende.

Häufige Fragen zu Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow

Worum geht es in „Ein Weihnachtsbaum für Frau Kummerow"?

Frau Kummerow ist einundachtzig und hat in diesem Jahr keinen Weihnachtsbaum im Fenster, weil der Baumverkauf vierhundert Meter entfernt ist. Die zehnjährige Ida aus dem Haus organisiert einen.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren. Sie spielt in der Gegenwart und hat mehr Figuren als unsere kurzen Geschichten.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund neun Minuten.

Ist die Geschichte traurig?

Nein. Sie fängt still an und wird von der Mitte an immer voller.

Kommt der Weihnachtsmann vor?

Nein. Es ist eine Weihnachtsgeschichte ohne Wunder – alles darin könnte so passieren.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

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