Heiligabend auf dem Bahnhof

Heiligabend auf dem Bahnhof

Zusammenfassung: „Heiligabend auf dem Bahnhof" in drei Sätzen

Am 24. Dezember um vier Uhr nachmittags fällt der letzte Zug aus, und elf Leute bleiben auf einem kleinen Bahnhof stehen.

Sie kennen sich nicht, sie wollen alle woanders hin, und die Bahnhofsgaststätte hat zu.

Was aus diesem Abend wird, hat später keiner von ihnen genau erklären können.

Heiligabend auf dem Bahnhof – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Der Bahnhof von Ellerbrook hatte zwei Gleise, einen Fahrkartenautomaten und eine Bahnhofsgaststätte, die von Mittwoch bis Sonntag geöffnet war.

Der vierundzwanzigste Dezember war ein Dienstag.

Um sechzehn Uhr zwölf sollte der Zug nach Norden fahren.

Um sechzehn Uhr vierzehn stand auf der Anzeigetafel: FÄLLT AUS.

Es war der letzte an diesem Tag.

Auf dem Bahnsteig standen elf Menschen, und alle machten zuerst dasselbe: Sie schauten auf ihr Telefon, dann auf die Anzeigetafel, dann wieder auf ihr Telefon, als würde sich eines von beiden dadurch ändern.
Der letzte Zug fällt aus – elf Menschen auf dem Bahnsteig Die elf waren:

Eine Frau mit zwei Kindern, die zu ihren Eltern nach Bremen wollte.

Ein junger Mann mit einem Rucksack und einem eingepackten Geschenk, das er die ganze Zeit unter dem Arm behielt.

Ein älteres Ehepaar mit einem Koffer und einem Karton, in dem etwas klapperte.

Ein Student, der einschlief, sobald er sich hinsetzte.

Eine Frau in Arbeitskleidung, die gerade Schicht gehabt hatte.

Ein Mann mit Hund.

Und ein Junge, ungefähr zwölf, allein, mit einer Fahrkarte in der Hand, die er alle paar Minuten anschaute.

Zusammen waren das elf, wenn man den Hund nicht mitzählt, und zwölf, wenn doch.

Der Hund hieß Pauli, war schwarz und alt und legte sich sofort hin, sobald irgendwo Stillstand eintrat. Er war der Einzige an diesem Abend, der von Anfang an genau wusste, was zu tun ist.
„Ich hab eine Thermoskanne" Zuerst passierte gar nichts.

Bahnsteige sind Orte, an denen man sich nicht anspricht. Das gilt auch, wenn alle dasselbe Problem haben.

Nach zwanzig Minuten wurde es dunkel. Nach dreißig fing es an zu schneien, was schön aussah und niemandem half.

Zwei versuchten es mit einem Taxi. Am vierundzwanzigsten Dezember um halb fünf ist ein Taxi ungefähr so verfügbar wie ein Zug.

Einer rief zu Hause an und sagte den Satz, den an diesem Nachmittag in ganz Deutschland ziemlich viele Leute gesagt haben: „Es wird später."

Dann sagte die Frau in Arbeitskleidung laut: „Ich hab eine Thermoskanne."

Es war kein besonders bedeutender Satz. Aber jemand musste anfangen.

Sie hatte tatsächlich eine Thermoskanne, und darin war Kaffee, und sie hatte auch einen Becher, was für elf Leute nicht reicht, weshalb sie ihn herumgehen ließ, was nach hygienischen Maßstäben fragwürdig ist und an diesem Abend niemanden störte.

Der Mann mit Hund hatte zwei Tafeln Schokolade dabei.

Die Frau mit den Kindern hatte belegte Brote für die Fahrt.

Das ältere Ehepaar öffnete den Karton. Darin waren Pfefferkuchen für die Enkel in Hamburg, ungefähr sechzig Stück.

„Die werden sowieso nicht alle gegessen", sagte die Frau.

Das stimmte nicht, und alle wussten es, und sie machte den Karton trotzdem auf.

Die beiden Kinder der Frau aus Bremen bekamen zuerst welche, weil Kinder bei Pfefferkuchen immer zuerst drankommen. Danach ging der Karton herum, und danach stand er einfach offen auf einem Koffer, und jeder nahm sich, wenn er wollte.
Herr Pelczek schließt den Warteraum auf Um Viertel nach fünf schloss der Bahnhofsvorsteher auf.

Er hieß Herr Pelczek, wohnte zweihundert Meter weiter und war eigentlich schon zu Hause gewesen. Jemand hatte ihn angerufen.

Er machte den Warteraum auf, drehte die Heizung hoch und sagte: „Ich hab kein Essen und keinen Zug. Aber Stühle."

Elf Leute gingen hinein.

Es war ein Warteraum wie alle Warteräume: gelbe Wände, zwei Reihen Sitze, ein Aushang von 2019 und eine Uhr, die zwei Minuten vorging.

Herr Pelczek hätte nach Hause gehen können. Er blieb, setzte sich neben die Tür auf einen Stuhl und las eine Zeitung, die er schon gelesen hatte, und ging alle halbe Stunde einmal auf den Bahnsteig, obwohl er genau wusste, dass da nichts kommt.

Sie schoben die Bänke zusammen. Die Kinder legten sich auf die Jacken. Der Student wachte auf, sah, dass etwas passierte, und war sofort dabei.

Und irgendwann erzählte jemand, warum er unterwegs war.

Danach erzählten alle.

Nicht der Reihe nach und nicht besonders geordnet. Es war eher so, wie Gespräche entstehen, wenn niemand die Aufgabe hat, sie zu leiten.
Im Warteraum werden die Bänke zusammengeschoben Der Vater kam um zwanzig nach acht.

Er stand in der Tür des Warteraums, mit Schnee auf den Schultern, und schaute in einen Raum voller Fremder, die Pfefferkuchen aßen.

Der Junge stand auf.

Bevor sie gingen, gab das ältere Ehepaar dem Vater den halben Karton mit, weil sie ohnehin nicht wussten, was sie damit sollten, und weil man Leuten, die achtzig Kilometer fahren, etwas mitgibt.

Danach löste sich der Abend langsam auf.

Die Frau mit den Kindern wurde von ihrem Bruder abgeholt. Ein Taxi kam und nahm drei mit, die in dieselbe Richtung mussten. Der Student blieb bis zum Schluss und half Herrn Pelczek, die Bänke wieder auseinanderzuschieben.

Die Frau in Arbeitskleidung nahm ihre Thermoskanne wieder mit. Sie war leer, und sie hatte an diesem Abend keinen einzigen Schluck davon selbst getrunken.

Um halb elf machte Herr Pelczek das Licht aus.

Am ersten Feiertag hat der junge Mann mit dem Geschenk der Frau in Arbeitskleidung eine Nachricht geschickt, dass es gut gelaufen sei.

Das ältere Ehepaar fährt die Strecke immer noch.

Und am vierundzwanzigsten Dezember des nächsten Jahres, als der Zug pünktlich war, standen auf dem Bahnsteig von Ellerbrook vier Leute, die sich erkannten und kurz nickten und sich sonst nichts weiter zu sagen hatten.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann nicken sie noch heute.
Der Junge telefoniert mit einem geliehenen Telefon Die Moral von „Heiligabend auf dem Bahnhof"

Elf Leute stehen im Dunkeln, und zwanzig Minuten lang spricht keiner den anderen an. Das ist die realistischste Stelle der ganzen Geschichte.

Was sie löst, ist kein großer Satz, sondern: „Ich hab eine Thermoskanne."

Danach passiert nichts Übernatürliches. Es gibt keine Rettung und keinen Zug. Es gibt nur einen warmen Warteraum, sechzig Pfefferkuchen und einen Vater, der achtzig Kilometer fährt.

Für Kinder ab sechs ist das eine gute Weihnachtsgeschichte, weil sie ohne Wunder auskommt — und trotzdem genau davon handelt, was an diesem Abend anders ist als sonst.
Der Vater steht in der Tür Der junge Mann mit dem Geschenk wollte zu einer Frau, die er seit vier Monaten kannte, und war sehr nervös.

Die Frau in Arbeitskleidung hatte gar kein Ziel; sie hatte einfach den Zug nehmen wollen, weil zu Hause niemand war.

Das ältere Ehepaar fuhr diese Strecke seit zweiunddreißig Jahren.

Und der zwölfjährige Junge, der bis dahin fast nichts gesagt hatte, sagte, dass er zu seinem Vater fahre, dass er das zweimal im Jahr mache und dass sein Vater am Bahnhof warte.

„Weiß er, dass der Zug ausfällt?"

Der Junge schaute auf sein Telefon.

„Der Akku ist leer."

Es entstand eine kurze Stille, in der ungefähr acht Leute gleichzeitig ihr eigenes Telefon herausholten.

Er rief mit dem Telefon der Frau in Arbeitskleidung an. Das Gespräch dauerte anderthalb Minuten. Danach kam er zurück und sagte: „Er holt mich."

„Von hier? Das sind achtzig Kilometer."

„Ja", sagte der Junge und setzte sich wieder hin, und man sah ihm an, dass ihn diese Antwort selbst überrascht hatte.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Was passiert am vierundzwanzigsten Dezember um sechzehn Uhr vierzehn in Ellerbrook?

    Auf der Anzeigetafel steht plötzlich: FÄLLT AUS. Es war der letzte Zug an diesem Tag, und elf Menschen bleiben auf dem Bahnsteig stehen, die alle woanders hinwollten.

  2. 2Welcher Satz bringt den Abend endlich in Gang?

    Die Frau in Arbeitskleidung sagt laut: „Ich hab eine Thermoskanne.“ Kein besonders bedeutender Satz — aber jemand musste anfangen. Danach holen auch die anderen heraus, was sie dabeihaben.

  3. 3Was ist in dem Karton des älteren Ehepaars, und was machen die beiden damit?

    Ungefähr sechzig Pfefferkuchen für die Enkel in Hamburg. Die Frau sagt, die würden sowieso nicht alle gegessen — das stimmt nicht, und alle wissen es, und sie macht den Karton trotzdem auf.

  4. 4Warum kann der zwölfjährige Junge seinem Vater nicht Bescheid sagen?

    Sein Telefonakku ist leer. Er ruft dann mit dem Telefon der Frau in Arbeitskleidung an, und danach sagt er nur: „Er holt mich.“ Der Vater fährt achtzig Kilometer und steht um zwanzig nach acht mit Schnee auf den Schultern in der Tür.

  5. 5Was passiert ein Jahr später auf dem Bahnsteig von Ellerbrook?

    Da fährt der Zug pünktlich. Vier von den elf stehen wieder da, erkennen sich, nicken sich kurz zu und haben sich sonst nichts weiter zu sagen.

Wörter aus der Geschichte

Anzeigetafel
die große Tafel am Bahnhof, auf der steht, wann welcher Zug fährt
Bahnhofsvorsteher
der Mann, der auf einem Bahnhof für alles zuständig ist
Thermoskanne
eine Kanne, die Getränke stundenlang warm hält
Pfefferkuchen
weiche braune Plätzchen mit Gewürzen, die es zu Weihnachten gibt
Warteraum
ein Zimmer am Bahnhof mit Stühlen, in dem man auf den Zug wartet

Zum Weitererzählen

  • Zwanzig Minuten lang spricht keiner den anderen an, obwohl alle dasselbe Problem haben. Warum ist das wohl so?
  • Herr Pelczek war schon zu Hause und kommt trotzdem zurück, um den Warteraum aufzuschließen. Warum macht er das?
  • Die Frau mit der Thermoskanne trinkt an diesem Abend keinen einzigen Schluck selbst. Was sagt das über sie?
  • Wenn du plötzlich mit lauter fremden Leuten irgendwo festsitzen würdest — was hättest du gern dabei?
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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Acht Minuten ohne Gefahr und ohne Bösewicht. Die einzige beklemmende Stelle ist ein Junge mit leerem Handy, und die ist nach einem Telefonat vorbei. Danach wird es nur noch wärmer.

Warum „Heiligabend auf dem Bahnhof" zum Einschlafen passt

Die Geschichte kommt ohne Wunder aus und spielt in der Gegenwart. Sie eignet sich für Kinder, die anfangen, sich für Erwachsene und ihre Geschichten zu interessieren.

Sie endet sehr leise: Licht aus im Warteraum, ein Jahr später ein Nicken auf dem Bahnsteig. Ein guter Punkt, um aufzuhören.

Wenn „Heiligabend auf dem Bahnhof" gefallen hat

Mehr davon unter Weihnachtsgeschichten für Kinder und Zehn-Minuten-Geschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: Ritter Emil & Zauberer Henry gibt es in sechs Bänden, alle zum gemeinsamen Vorlesen gemacht.

Häufige Fragen zu Heiligabend auf dem Bahnhof

Worum geht es in „Heiligabend auf dem Bahnhof"?

Am 24. Dezember fällt der letzte Zug aus, und elf Fremde bleiben auf einem kleinen Bahnhof stehen. Aus dem verlorenen Abend wird ein anderer, an den sich alle erinnern.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren. Sie hat viele Figuren und spielt in der Erwachsenenwelt.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund acht Minuten.

Kommt der Weihnachtsmann vor?

Nein. Es ist eine Weihnachtsgeschichte ganz ohne Wunder.

Ist die Geschichte traurig?

Sie fängt kühl an und wird warm. Am Ende ist niemand allein geblieben.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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