Was nach dem Umzug übrig bleibt

Was nach dem Umzug übrig bleibt

Zusammenfassung: „Was nach dem Umzug übrig bleibt" in drei Sätzen

Der Laternenumzug ist vorbei, das Feuer brennt herunter, und die meisten sind schon gegangen.

Übrig bleiben ein Mann von der Feuerwehr, zwei Frauen vom Elternbeirat, ein Junge, der seinen Handschuh sucht, und ein Haufen Glut.

Es ist die beste Stunde des ganzen Abends, und fast niemand kriegt sie mit.

Was nach dem Umzug übrig bleibt – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

Um kurz vor acht ist ein Martinsfeuer am schönsten, und um kurz vor acht sind fast alle weg.

Das liegt an den Kindern. Ein Kind, das zwei Stunden draußen war, gefroren hat, gesungen hat und eine Brezel gegessen hat, ist ungefähr um Viertel vor acht fertig. Nicht müde — fertig. Das ist ein Unterschied, den alle Eltern kennen.

Also gehen sie.

Um halb acht sind es noch dreißig Leute, um Viertel vor acht zwölf, und um acht stehen fünf Personen um ein Feuer, das jetzt kein Feuer mehr ist, sondern ein Haufen Glut in der Größe eines Autoreifens.

Glut sieht man am besten, wenn es richtig dunkel ist.

Sie ist nicht orange, wie man denkt. Sie ist an manchen Stellen fast weiß, an anderen tiefrot, und sie atmet — es geht ein Zug hindurch, dann wird sie heller, dann wieder dunkler, in einem Rhythmus, den niemand steuert.
Kurz vor acht ist das Feuer am schönsten Die fünf, die noch da sind, sind immer dieselben.

Da ist Herr Nolte von der Freiwilligen Feuerwehr, der die Brandwache macht. Das ist Vorschrift: Ein offenes Feuer darf nicht allein gelassen werden, bis es aus ist. Herr Nolte macht das seit vierzehn Jahren, und er hat einen Klappstuhl im Auto.

Da sind Frau Berisha und Frau Kloppmann vom Elternbeirat, die den Kakaostand abbauen. Der Abbau dauert länger als der Aufbau, weil beim Aufbau alle helfen und beim Abbau niemand mehr da ist.

Da ist Jarne, neun Jahre alt, der seinen linken Handschuh sucht.

Und da ist Jarnes Vater, der wartet.
Herr Nolte macht die Brandwache Der Handschuh ist der Grund, warum die beiden noch da sind, und er ist ein guter Grund.

Es sind gute Handschuhe. Sie waren teuer, sie sind erst zwei Wochen alt, und die Großmutter, die sie geschenkt hat, wird am Sonntag fragen.

Jarne geht die Strecke ab, die er im Zug gelaufen ist, was sinnlos ist, weil er sie im Dunkeln abgeht und weil ein schwarzer Handschuh auf nassem Asphalt exakt so aussieht wie nasser Asphalt.

Sein Vater sagt das nicht.

Er könnte sagen: Wir kaufen neue. Er könnte sagen: Morgen bei Tageslicht. Beides wäre vernünftig und beides wäre das Ende des Abends.

Er sagt stattdessen: „Ich geh von der anderen Seite."

Und dann gehen sie die Strecke von beiden Enden ab, mit den Taschenlampen ihrer Telefone, und treffen sich in der Mitte, wo kein Handschuh liegt.
Der Abbau dauert länger als der Aufbau Herr Nolte hat vom Klappstuhl aus zugesehen.

„Guckt mal beim Sandkasten", sagt er. „Da liegt immer alles."

Es ist zwei Uhr im Verhältnis zur Laufstrecke, also ziemlich weit weg, und es ergibt eigentlich keinen Sinn.

Der Handschuh liegt beim Sandkasten.

Wie er dorthin gekommen ist, weiß niemand. Sachen wandern auf Festen, das ist bekannt und nicht erklärbar. Jarne hält ihn hoch, und Herr Nolte hebt kurz die Hand, ohne aufzustehen.

Danach ist eigentlich alles erledigt.

Sie könnten jetzt gehen.

Sie gehen aber nicht sofort, sondern stellen sich noch einmal ans Feuer, weil man an einem Glutbett nicht einfach vorbeiläuft.
Ein schwarzer Handschuh auf nassem Asphalt Es dauert noch vierzig Minuten.

In diesen vierzig Minuten erfährt Jarne, dass die Freiwillige Feuerwehr in diesem Ort achtundvierzig Leute hat, dass Herr Nolte im richtigen Leben Elektriker ist, dass er noch nie ein Haus hat brennen sehen, sondern hauptsächlich Keller auspumpt, und dass das Martinsfeuer jedes Jahr aus dem Schnittholz vom Bauhof gemacht wird.

Sein Vater sagt in diesen vierzig Minuten fast nichts.

Er steht daneben, hat die Hände in den Taschen und lässt es laufen, und das ist das Klügste, was er den ganzen Abend gemacht hat.

Dann kippt Herr Nolte den ersten Eimer Sand.

Es zischt, und die Wolke steht da, rot von unten, genau eine Sekunde lang.

Jarne sagt nichts.

Beim zweiten Eimer darf er den Eimer halten.
Beim Sandkasten liegt immer alles Auf dem Heimweg ist es Viertel nach neun, was viel zu spät ist für einen Mittwoch.

Jarne trägt beide Handschuhe.

Er erzählt nichts von dem Umzug, nichts von der Brezel und nichts von dem Mann auf dem Pferd. Er erzählt von Kellern, die ausgepumpt werden, und dass er wissen will, wie eine Pumpe funktioniert.

Zu Hause sagt seine Mutter, na, wie war der Umzug.

Jarne sagt: gut.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann steht die Wolke noch heute jeden November eine Sekunde lang rot über der Glut.
Eine Sekunde lang steht die Wolke rot über der Glut Frau Berisha bringt zwei Becher Kakao, die übrig geblieben sind und sonst weggeschüttet würden.

Sie sind lauwarm und viel zu süß, weil unten im Kessel immer der süßeste Rest ist.

Man steht dann da.

Es ist der Teil des Abends, über den keiner spricht, weil nichts passiert. Die Blaskapelle ist weg. Die Laternen sind weg. Der Mann im roten Umhang ist längst weg — er heißt übrigens Herr Özdemir und arbeitet bei der Stadtverwaltung, und das Pferd gehört einem Reiterhof zwei Orte weiter.

Übrig sind: Glut, drei Erwachsene, ein Kind, ein Klappstuhl und ein Kakaokessel.

Jarne fragt, wie lange Glut hält.

Herr Nolte sagt, bis zwei oder drei in der Nacht, wenn es nicht regnet, und dass er nicht so lange bleibt, sondern es mit Sand abdeckt, wenn nichts mehr aufflackert.

Jarne fragt, ob er dann noch mal was sieht.

Herr Nolte sagt, ja: Wenn man Sand auf Glut kippt, geht ein Zischen los und darüber steht eine Sekunde lang eine Wolke, die von unten rot angeleuchtet wird.

Jarne bleibt.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum sind um acht Uhr fast alle vom Martinsfeuer verschwunden?

    Das liegt an den Kindern. Wer zwei Stunden draußen war, gefroren hat, gesungen hat und eine Brezel gegessen hat, ist ungefähr um Viertel vor acht fertig. Nicht müde — fertig, und das ist ein Unterschied, den alle Eltern kennen.

  2. 2Wer bleibt am Feuer übrig?

    Herr Nolte von der Freiwilligen Feuerwehr, der die Brandwache macht und einen Klappstuhl im Auto hat. Frau Berisha und Frau Kloppmann vom Elternbeirat, die den Kakaostand abbauen. Und Jarne, neun Jahre alt, mit seinem Vater, der wartet.

  3. 3Warum sind Jarne und sein Vater überhaupt noch da?

    Jarne sucht seinen linken Handschuh. Es sind gute Handschuhe, sie waren teuer, sie sind erst zwei Wochen alt, und die Großmutter, die sie geschenkt hat, wird am Sonntag danach fragen.

  4. 4Wie wird der Handschuh am Ende gefunden?

    Jarne und sein Vater gehen die Strecke von beiden Enden ab und treffen sich in der Mitte, wo kein Handschuh liegt. Da sagt Herr Nolte vom Klappstuhl aus: „Guckt mal beim Sandkasten. Da liegt immer alles.“ Und genau dort liegt er.

  5. 5Was passiert, als Herr Nolte den Sand auf die Glut kippt?

    Es zischt, und darüber steht eine Sekunde lang eine Wolke, die von unten rot angeleuchtet wird. Jarne sagt nichts — und beim zweiten Eimer darf er den Eimer halten.

Wörter aus der Geschichte

Glut
das, was vom Feuer übrig bleibt und ohne Flamme weiterglüht
Brandwache
wenn jemand bei einem Feuer bleibt, bis es ganz sicher aus ist
Klappstuhl
ein Stuhl, den man zusammenklappen und mitnehmen kann
Elternbeirat
die Eltern, die sich zusammentun und Feste und anderes organisieren
Blaskapelle
eine Gruppe von Leuten, die gemeinsam auf Trompeten und ähnlichen Instrumenten spielt

Zum Weitererzählen

  • Jarnes Vater sagt nicht „wir kaufen neue“, sondern „Ich geh von der anderen Seite.“ Was hättest du dir an Jarnes Stelle gewünscht?
  • Herr Nolte weiß, dass beim Sandkasten immer alles liegt. Woher kennt man solche Sachen?
  • Zu Hause erzählt Jarne nichts vom Umzug, sondern von Kellern, die ausgepumpt werden. Warum wohl?
  • Wenn du noch eine Stunde bleiben dürftest, während alle anderen schon nach Hause gehen — was würdest du machen?
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Acht ruhige Minuten. Es gibt keine Gefahr und keine Aufregung — nur ein Feuer, das herunterbrennt, und einen Handschuh, der wiedergefunden wird.

Warum „Was nach dem Umzug übrig bleibt" zum Einschlafen passt

Die Brandwache ist keine Erfindung: Ein offenes Feuer darf nicht unbeaufsichtigt bleiben, bis es sicher erloschen ist, und in vielen Orten übernimmt das die Freiwillige Feuerwehr. Auch das Abdecken mit Sand statt mit Wasser ist üblich.

Eine gute Geschichte für den zweiten oder dritten Abend nach dem Umzug, wenn die Aufregung weg ist. Sie eignet sich außerdem für Kinder, die selten das erzählen, was Erwachsene erwarten.

Wenn „Was nach dem Umzug übrig bleibt" gefallen hat

Mehr davon unter Sankt-Martin-Geschichten und 10-Minuten-Geschichten.

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Häufige Fragen zu Was nach dem Umzug übrig bleibt

Worum geht es in „Was nach dem Umzug übrig bleibt"?

Der Laternenumzug ist vorbei und fast alle sind weg. Ein Junge sucht seinen Handschuh, ein Feuerwehrmann hält Brandwache – und daraus wird die beste Stunde des Abends.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund acht Minuten.

Kommt Sankt Martin darin vor?

Nur am Rand. Es geht um den Abend nach dem Umzug – und darum, was Kinder tatsächlich behalten.

Gibt es die Brandwache wirklich?

Ja. Ein offenes Feuer darf nicht unbeaufsichtigt bleiben, bis es sicher aus ist. Vielerorts übernimmt das die Freiwillige Feuerwehr.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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