Nachts im Dinosaurier-Museum

Nachts im Dinosaurier-Museum

Zusammenfassung: „Nachts im Dinosaurier-Museum" in drei Sätzen

Nele bleibt aus Versehen im Naturkundemuseum eingeschlossen und verbringt eine Nacht zwischen Dinosaurierskeletten.

Es wird nichts lebendig, es leuchtet nichts, und niemand kommt sie retten.

Was sie stattdessen tut, hat sie später den Museumsleuten erzählt, und die haben es aufgeschrieben.

Nachts im Dinosaurier-Museum – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 8 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung
Das Naturkundemuseum schließt um achtzehn Uhr.

Um siebzehn Uhr fünfzig geht ein Gong, um siebzehn Uhr fünfundfünfzig geht er noch einmal, und dann gehen zwei Aufsichtspersonen durch die Säle und schauen nach, ob noch jemand da ist.

Nele war neun und saß im Saal 4 hinter dem Sockel des großen Skeletts.

Sie saß dort, weil sie zeichnete. Sie zeichnete das linke Vorderbein, weil das linke Vorderbein die interessantesten Knochen hat, und sie hatte den ersten Gong nicht gehört und den zweiten auch nicht.

Und die Aufsicht schaute nicht hinter den Sockel.

Das ist keine Schlamperei. Der Sockel ist zwei Meter zwanzig hoch und dreieinhalb Meter breit, und in dreiunddreißig Jahren hatte dahinter noch nie jemand gesessen.
Nele zeichnet hinter dem Sockel in Saal 4 Um achtzehn Uhr zehn wurde das Licht ausgemacht.

Nicht ganz. In Museen bleibt nachts eine schwache Beleuchtung an, damit man im Notfall sieht, wo man ist. Es war also nicht dunkel, sondern dämmrig, so wie eine Wohnung ist, wenn draußen die Straßenlaterne brennt.

Nele merkte es erst, als sie fertig war.

Sie stand auf, ging um den Sockel herum und sah, dass die Bank am Fenster leer war, dass niemand mehr im Saal stand und dass die große Uhr über dem Durchgang zwanzig nach sechs zeigte.

Sie ging zum Ausgang.

Der Ausgang war zu.

Sie ging zum zweiten Ausgang. Der war auch zu.

Sie rüttelte einmal, weil man das automatisch macht, und ließ es dann, weil Rütteln bei Türen, die abgeschlossen sind, noch nie geholfen hat.

Dann setzte sie sich auf die Treppe und dachte nach, was mehr ist, als viele Erwachsene in dieser Situation getan hätten.
Saal 4 in der Nachtbeleuchtung Sie überlegte Folgendes.

Erstens: Sie war nicht in Gefahr. Es gab keinen Grund, in einem geschlossenen Museum in Gefahr zu sein.

Zweitens: Ihre Eltern würden sich Sorgen machen. Das war das eigentliche Problem.

Drittens: Es gab hier bestimmt ein Telefon.

Sie suchte eins.

Sie fand die Kasse, hinter der ein Telefon stand, aber die Kasse war hinter einer Glastür, die abgeschlossen war.

Sie fand im Erdgeschoss eine Tür mit einem Fenster, durch das man auf die Straße sah. Draußen fuhr alle paar Minuten ein Auto vorbei. Sie klopfte zweimal, ohne große Hoffnung, und es hörte niemand, weil Museumsfenster dick sind.

Sie fand einen Schalter, auf dem stand: NUR IM NOTFALL.

Sie schaute ihn lange an.

Dann entschied sie, dass es kein Notfall war, weil ihr nichts fehlte, und dass sie ihn drückt, wenn sich das ändert.

Später hat die Museumsleiterin gesagt, an dieser Stelle habe sie beim Zuhören einmal tief Luft geholt.

Sie hat auch gesagt, dass sie an Neles Stelle vermutlich gedrückt hätte, und zwar sofort.
Nele sitzt auf der Treppe und denkt nach Nele ging zurück in Saal 4.

Da stand das große Skelett.

Es war elf Meter lang, es hatte einen Schädel so groß wie eine Waschmaschine, und im Dämmerlicht sah es genau so aus, wie man sich das vorstellt.

Nele setzte sich davor.

Sie hat später gesagt, sie habe ungefähr zehn Minuten Angst gehabt.

Und dann habe sie sich erinnert, dass sie das Ding seit drei Jahren kennt, dass sie das linke Vorderbein gerade gezeichnet hat und dass es tot ist, seit sechsundsechzig Millionen Jahren, und dass sechsundsechzig Millionen Jahre eine sehr lange Zeit sind, um sich an etwas zu gewöhnen.

Danach ging es besser.

Nicht sofort und nicht ganz. Zweimal in dieser Nacht hat sie sich noch erschreckt, beide Male wegen der Heizung, die in alten Häusern Geräusche macht, die zu nichts passen.

Aber es blieb dabei, dass sie sich erschreckte und dann wieder ruhig wurde, und nicht umgekehrt.

Sie holte ihren Block wieder heraus und zeichnete das rechte Vorderbein, weil sie es jetzt sowieso vergleichen konnte.

Es stellte sich heraus, dass die beiden Vorderbeine nicht gleich sind. Das linke hat an einer Stelle eine Verdickung, das rechte nicht. Nele wusste nicht, warum, und sie hat es später gefragt, und die Antwort war, dass das Tier sich diesen Knochen vermutlich einmal gebrochen hatte und dass er wieder zusammengewachsen ist.

Sie hat gesagt, das habe ihr an dieser Nacht am besten gefallen: dass ihm mal etwas passiert war und dass man das immer noch sehen kann.
Nele zeichnet vor dem großen Skelett Der Rest war unspektakulär.

Herr Ossa rief die Museumsleiterin an, die Museumsleiterin rief die Polizei an, die Polizei hatte die Eltern längst am Telefon, und um halb zwölf war Nele zu Hause.

Ihre Mutter hat geweint, ihr Vater hat sehr laut geredet, und beides ging nach einer halben Stunde vorbei.

Zwei Wochen später kam ein Brief vom Museum.

Sie schrieben, sie hätten den Ablauf zum Schließen geändert — es schauen jetzt beide Aufsichtspersonen auch hinter die Sockel.

Und sie fragten, ob sie die Zeichnung vom rechten Vorderbein haben dürften.

Sie hängt heute in Saal 4, neben dem Skelett, in einem schmalen Rahmen. Darunter steht, dass sie in der Nacht vom elften auf den zwölften März entstanden ist.

Mehr steht da nicht.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann hängt sie noch heute da.
Herr Ossa kommt auf seinem Rundgang Die Moral von „Nachts im Dinosaurier-Museum"

In dieser Geschichte wird nichts lebendig. Die Skelette bleiben Skelette, und das Museum bleibt ein Museum.

Nele hat trotzdem eine ziemlich aufregende Nacht — und zwar dadurch, dass sie nachdenkt: Ist das gefährlich? Wer macht sich Sorgen? Wo ist ein Telefon? Ist das ein Notfall?

Für Kinder ab sechs ist das interessanter als ein Zauber. Und der Satz, den sich viele merken, ist der über die sechsundsechzig Millionen Jahre — eine sehr lange Zeit, um sich an etwas zu gewöhnen.
Die gerahmte Zeichnung in Saal 4 Um kurz nach zehn kam der Nachtwächter.

Er hieß Herr Ossa, machte um diese Zeit seinen zweiten Rundgang und rechnete mit gar nichts.

In Saal 4 saß ein Kind auf dem Boden und zeichnete.

Herr Ossa blieb im Durchgang stehen und sagte, wie er später zugab, ungefähr eine Minute lang nichts.

Dann sagte er: „Guten Abend."

„Guten Abend", sagte Nele.

„Bist du eingeschlossen?"

„Ja."

„Seit wann?"

„Seit sechs."

Er schaute auf die Uhr.

„Und was hast du in vier Stunden gemacht?"

Nele hielt den Block hoch.

Herr Ossa kam näher, setzte die Brille auf und schaute sich beide Zeichnungen an, das linke und das rechte Vorderbein, ziemlich lange.

„Das rechte ist besser", sagte er.

„Ich weiß", sagte Nele. „Ich hatte mehr Zeit."

Herr Ossa nickte, als wäre das eine vollkommen normale Auskunft, und holte dann sein Telefon heraus.
Passend zu dieser Geschichte

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Neun Minuten, in denen nichts Übernatürliches passiert. Nele hat neun Minuten lang Angst, und dann geht es ihr besser — das steht so in der Geschichte und ist der ehrlichste Teil daran.

Schwierige Wörter kurz erklärt

  • Naturkundemuseum – ein Museum über Tiere, Pflanzen und die Erdgeschichte
  • Sockel – der Unterbau, auf dem etwas Ausgestelltes steht
  • Skelett – das Knochengerüst eines Lebewesens
  • Aufsicht – jemand, der in einem Museum auf die Ausstellung achtgibt
  • Rundgang – der Weg, den ein Wächter regelmäßig abläuft

Fragen zum Weitererzählen

  • Was überlegt Nele als Erstes, nachdem sie merkt, dass sie eingeschlossen ist?
  • Warum drückt sie den Notfallschalter nicht?
  • Was hättest du in dieser Nacht gemacht?

Warum „Nachts im Dinosaurier-Museum" zum Einschlafen passt

In dieser Geschichte wird nichts lebendig und nichts ist verzaubert. Sie eignet sich für Kinder, die Museen mögen, und für alle, die gern wissen, wie Dinge wirklich ablaufen.

Wenn Ihr Kind zu Sorgen neigt: Die Geschichte sagt früh und deutlich, dass Nele nicht in Gefahr ist, und endet damit, dass sie um halb zwölf zu Hause ist.

Wenn „Nachts im Dinosaurier-Museum" gefallen hat

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Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 3 von Ritter Emil & Zauberer Henry geht es zu den Dinosauriern – dort allerdings zu lebenden.

Häufige Fragen zu Nachts im Dinosaurier-Museum

Worum geht es in „Nachts im Dinosaurier-Museum"?

Die neunjährige Nele wird im Naturkundemuseum eingeschlossen und verbringt vier Stunden zwischen Dinosaurierskeletten – ohne dass irgendetwas lebendig wird.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa sechs Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund neun Minuten.

Wird im Museum nachts etwas lebendig?

Nein. Das ist ausdrücklich nicht diese Art von Geschichte.

Ist die Geschichte unheimlich?

Nur kurz. Nele hat neun Minuten lang Angst, und danach beruhigt sie sich selbst.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

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