Was bei Ebbe zurückbleibt

Was bei Ebbe zurückbleibt

Zusammenfassung: „Was bei Ebbe zurückbleibt" in drei Sätzen

Zweimal am Tag geht im Wattenmeer das Wasser weg und lässt einen Boden zurück, der aussieht wie leerer Schlick.

Er ist nicht leer: In einer Handvoll davon leben mehr Tiere, als ein Kind zählen kann.

Und alle sechs Stunden kommt das Wasser wieder, pünktlich wie ein Zug.

Was bei Ebbe zurückbleibt – gut zu wissen

  • Vorlesedauer: etwa 5 Minuten
  • Zum Vorlesen: ab etwa 3 Jahren
  • Zum Ausdrucken: weiter unten kostenlos als PDF, ohne Anmeldung

Hier beginnt die Geschichte

An der Nordsee geht das Wasser zweimal am Tag weg.

Das nennt man Ebbe, und es ist keine Laune des Meeres, sondern Rechnerei: Der Mond zieht am Wasser, die Erde dreht sich, und daraus ergibt sich ein Rhythmus von etwa sechs Stunden Auflaufen und sechs Stunden Ablaufen.

Es steht in Tabellen. Man kann für den 14. März in zwölf Jahren nachschlagen, wann in Cuxhaven Niedrigwasser ist, und es wird stimmen.

Wenn das Wasser weg ist, liegt da Watt.

Und Watt sieht aus wie nichts.
Das Watt bei Niedrigwasser Es ist grau, es ist glatt, es glänzt, und es riecht.

Wer zum ersten Mal darauf steht, denkt: leerer Schlamm.

Nimmt man eine Handvoll und schaut genau hin, ist das anders.

In einem Quadratmeter Watt leben, je nach Stelle, bis zu hunderttausend Tiere. Winzige Schnecken, Muscheln, Krebschen, Würmer.

Das Bekannteste ist der Wattwurm.

Von ihm sieht man zwei Sachen: ein kleines Loch und daneben einen Haufen, der aussieht wie Spaghetti aus Sand. Der Haufen ist das, was hinten herauskommt, wenn ein Wurm sich durch Sand frisst und die Nahrung daraus herausholt.

Ein Wattwurm setzt im Jahr ungefähr fünfundzwanzig Kilo Sand um.

Auf einem Quadratmeter leben bis zu vierzig Stück. Man kann sich ausrechnen, wie viel Sand im Wattenmeer jedes Jahr durch Würmer hindurchgeht, und die Zahl ist so groß, dass man sie besser nicht ausrechnet.

Deshalb ist das Watt so glatt. Es wird ständig umgearbeitet.
Loch und Sandhaufen eines Wattwurms Es gibt noch mehr zu sehen, wenn man langsam geht.

Kleine Löcher, aus denen es spritzt, wenn man danebentritt: Das sind Muscheln, die sich erschrecken.

Streifen im Schlick, die aussehen wie Schriftzeichen: Das sind Schnecken, die gefressen haben.

Und überall Vögel.

Das Wattenmeer ist der Grund, warum jedes Frühjahr Millionen von Zugvögeln hier haltmachen. Sie kommen aus Afrika und wollen nach Sibirien, und dazwischen brauchen sie eine Stelle, an der sie sich in wenigen Wochen fett fressen können.

Das Watt ist diese Stelle.

Ein Knutt — ein kleiner grauer Vogel, den kaum jemand kennt — verdoppelt hier in zwei Wochen sein Gewicht. Danach fliegt er ohne Pause bis nach Sibirien.

Ohne diese zwei Wochen käme er nicht an.
Eine Handvoll Watt aus der Nähe Und dann kommt das Wasser wieder.

Das ist der Teil, den man ernst nehmen muss.

Die Flut kommt nicht als Welle von vorn. Sie kommt von allen Seiten gleichzeitig, weil sich zuerst die tiefen Rinnen füllen — die Priele —, und die liegen kreuz und quer im Watt.

Wer nicht aufpasst, steht plötzlich auf einer Erhöhung, und ringsherum ist Wasser.

Deshalb geht man ins Watt nicht ohne Uhr, nicht ohne Tabelle und, wenn man sich nicht auskennt, nicht ohne jemanden, der sich auskennt.

Wattführer gibt es überall an der Küste. Sie kosten wenig und wissen, wo die Priele liegen.

Sie wissen außerdem, wo es interessant ist, was man selbst nie findet: die Stelle mit den Herzmuscheln, die Bank mit den Austern, der Priel, in dem bei Ebbe kleine Fische stehen bleiben.
Zugvögel fressen sich im Watt satt Die Moral von „Was bei Ebbe zurückbleibt"

Diese Geschichte hat keine Figuren. Sie beschreibt eine Landschaft, die zweimal am Tag verschwindet und wiederkommt.

Der Kern ist die Umkehrung am Anfang: Was aussieht wie leerer Schlamm, ist der dichtbesiedeltste Boden, den wir haben.

Für Kinder ab vier ist das eine gute Vorbereitung auf einen Nordseeurlaub — und für den Abend eine ruhige Geschichte, weil es darin nur um Wasser geht, das kommt und geht.

Der Hinweis auf die Priele steht ausdrücklich drin. Er gehört dazu.
Die Flut füllt zuerst die Priele Sechs Stunden später ist alles Meer Nach ungefähr sechs Stunden ist alles wieder Meer.

Man steht am Deich und schaut hinaus, und wo man vormittags gestanden hat, sind zwei Meter Wasser, und ein Schiff fährt darüber.

Nichts erinnert daran, dass da unten hunderttausend Tiere pro Quadratmeter leben.

Abends geht es wieder weg.

Und morgen früh, ungefähr fünfzig Minuten später als heute, weil der Mond nicht ganz im Takt der Uhr ist, geht es wieder los.

Und wenn wir nicht gestorben sind, dann macht es das noch heute zweimal am Tag.

Weißt du noch?

Fünf Fragen zum Vorlesen – Karte antippen, dann steht die Antwort da.

  1. 1Warum geht an der Nordsee zweimal am Tag das Wasser weg?

    Das ist keine Laune des Meeres, sondern Rechnerei: Der Mond zieht am Wasser, die Erde dreht sich, und daraus ergibt sich ein Rhythmus von etwa sechs Stunden Auflaufen und sechs Stunden Ablaufen. Man kann sogar in Tabellen nachschlagen, wann es in vielen Jahren so weit ist.

  2. 2Wie sieht das Watt aus, und was ist wirklich darin?

    Es ist grau, glatt, glänzend und riecht, und wer zum ersten Mal darauf steht, denkt: leerer Schlamm. Dabei leben in einem Quadratmeter je nach Stelle bis zu hunderttausend Tiere — winzige Schnecken, Muscheln, Krebschen und Würmer.

  3. 3Woran erkennt man einen Wattwurm, ohne ihn zu sehen?

    An zwei Dingen: einem kleinen Loch und daneben einem Haufen, der aussieht wie Spaghetti aus Sand. Der Haufen ist das, was hinten herauskommt, wenn der Wurm sich durch den Sand frisst und die Nahrung herausholt.

  4. 4Warum machen jedes Frühjahr Millionen Zugvögel im Wattenmeer halt?

    Sie kommen aus Afrika und wollen nach Sibirien und brauchen dazwischen eine Stelle, an der sie sich in wenigen Wochen satt und fett fressen können. Ein Knutt verdoppelt hier in zwei Wochen sein Gewicht — ohne diese zwei Wochen käme er nicht an.

  5. 5Warum muss man aufpassen, wenn das Wasser zurückkommt?

    Weil die Flut nicht als Welle von vorn kommt, sondern von allen Seiten gleichzeitig: Zuerst füllen sich die tiefen Rinnen, die Priele, und die liegen kreuz und quer im Watt. Wer nicht aufpasst, steht plötzlich auf einer Erhöhung, und ringsherum ist Wasser.

Wörter aus der Geschichte

Schlick
der weiche, glatte Schlamm, der bei Ebbe am Meeresboden liegt
Priel
eine tiefe Rinne im Watt, in der sich das Wasser zuerst sammelt
Wattwurm
ein Wurm, der im Schlick lebt und Sand durch sich hindurchfrisst
Knutt
ein kleiner grauer Vogel, der im Watt Kraft für weite Flüge sammelt
Wattführer
jemand, der sich im Watt auskennt und andere sicher hindurchführt

Zum Weitererzählen

  • Was aussieht wie leerer Schlamm, ist voller Leben. Wie fühlt sich Watt wohl unter den Füßen an?
  • Der Knutt fliegt nach zwei Wochen ohne Pause bis nach Sibirien. Wie stellst du dir so einen Flug vor?
  • Wattführer wissen, wo die Priele liegen. Warum ist es klug, jemanden dabeizuhaben, der sich auskennt?
  • Wenn du eine Handvoll Watt untersuchen dürftest — wonach würdest du zuerst suchen?
Wenn es heute ums Wasser ging

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Diese Geschichte vor dem Einschlafen vorlesen

Fünf Minuten Sachgeschichte ohne Handlung. Der Hinweis auf die Gefahr durch die Priele ist sachlich gehalten und macht keine Angst — er erklärt, warum man mit jemandem geht, der sich auskennt.

Warum „Was bei Ebbe zurückbleibt" zum Einschlafen passt

Die Geschichte eignet sich sehr gut vor einem Nordseeurlaub. Alle Angaben stimmen, auch die hunderttausend Tiere pro Quadratmeter und die fünfundzwanzig Kilo Sand pro Wattwurm und Jahr.

Der Sicherheitshinweis ist bewusst nüchtern formuliert. Er soll nicht abschrecken, sondern erklären, warum es Wattführer gibt.

Wenn „Was bei Ebbe zurückbleibt" gefallen hat

Mehr davon unter Meergeschichten für Kinder und Naturgeschichten.

Und wenn ein Buch daraus werden soll: In Band 6 von Ritter Emil & Zauberer Henry geht es aufs Meer.

Häufige Fragen zu Was bei Ebbe zurückbleibt

Worum geht es in „Was bei Ebbe zurückbleibt"?

Um das Wattenmeer: warum es zweimal am Tag trockenfällt, was darin lebt, warum Millionen Zugvögel darauf angewiesen sind und warum man die Priele kennen muss.

Für welches Alter ist die Geschichte gedacht?

Ab etwa vier Jahren.

Wie lange dauert das Vorlesen?

Rund fünf Minuten.

Macht die Geschichte Angst vor der Flut?

Nein. Sie erklärt sachlich, warum man ohne Ortskenntnis nicht allein ins Watt geht.

Stimmen die Zahlen?

Ja. Bis zu hunderttausend Tiere pro Quadratmeter und rund fünfundzwanzig Kilo Sand pro Wattwurm und Jahr sind belegte Größenordnungen.

Gibt es die Geschichte auch zum Anhören und als PDF?

Ja, beides steht unter der Geschichte, kostenlos und ohne Anmeldung.

Download als PDF

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